Fledermausverhalten

Untersuchung zur Konnektivität und zum Verhalten von über dem Meer wandernden Fledermäusen zur genaueren Abschätzung der Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen (Batmobil)

Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Mecklenburg- Vorpommern e.V.

Im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projektes sollen Faktoren identifiziert werden, die das Kollisions- und Tötungsrisiko für Fledermäuse mit Offshore-Windenergieanlagen erhöhen.

  • Auf Basis von bioakustischen Erfassungen und telemetrischen Untersuchungen individueller Flugrouten soll geprüft werden, inwieweit Verdichtungsräume (wie Flugkorridore) existieren. Diese stehen im Anschluss u .a. als Basis für raumordnerische Vermeidungsmaßnahmen zur Verfügung.
  • Durch Verhaltensbeobachtungen (Abflugbeobachtungen, Offshore-Verhaltensbeobachtungen, Telemetrie) und akustische Verhaltensermittlungen (insbesondere akustisches Höhenmonitoring) soll untersucht werden, wie sich Fledermäuse offshore während des Zuges und an vertikalen Strukturen verhalten und ob beispielsweise Erkundungsverhalten auftritt, welches das Risiko einer Kollision erheblich erhöhen könnte. Auf dieser Grundlage können technische Vermeidungsmaßnahmen wie z.B. Betriebsalgorithmen (Abschaltalgorithmen) entwickelt werden.

Aufbauend auf den Ergebnissen sollen Standardmethoden für die Basisuntersuchung und das Monitoring von Fledermäusen bei konkreten Windparkprojekten entwickelt und formuliert werden. Diese könnten u. U. unmittelbar in die Standarduntersuchungskonzepte der Genehmigungsbehörden integriert werden.

Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Vorhaben FKZ 3519 86 1300 vom Dezember 2019 bis Januar 2023 mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Vorgehen und Ziele

Bioakustische Dauererfassung

Die vorliegenden Erkenntnisse zum Offshore-Fledermauszug geben erste Hinweise auf die Existenz von Verdichtungsräumen. Die gemessenen Aktivitäten einzelner Standorte variieren zwischen den Jahren allerdings teils erheblich. Eine hohe ökologische Validität kann somit nur durch die Gewinnung längerer Datenreihen und einem Ausbau des Untersuchungsnetzes erreicht werden. In diesem Zuge sollen auch die begonnenen bioakustischen Untersuchungen auf FINO 1 fortgesetzt werden.

Höhenmonitoring

Über das Verhalten von über dem Meer wandernder Fledermäuse ist bislang wenig bekannt. Diese haben jedoch einen großen Einfluss auf das tatsächlich bestehende Kollisionsrisiko an Offshore-Windenergieanlagen. Für Windenergieanlagen an Land ist bekannt, das Fledermäuse an ihnen teilweise ein starkes Erkundungsverhalten zeigen und sich beispielsweise innerhalb kürzester Zeit von einer bodennahen Flughöhe bis in den Rotorbereich hinein bewegen. Solche Anlockeffekte führen aufgrund der erhöhten Aufenthaltswahrscheinlichkeit im Rotorbereich zu einem stark erhöhten Kollisionsrisiko. Die wenigen bislang im Offshore-Bereich durchgeführten Verhaltensbeobachtungen weisen darauf hin, dass ähnliche Verhaltensweisen auch an Offshore-Windenergielangen auftreten könnten.

Eine gute Möglichkeit zur Erfassung des Verhaltens an vertikalen Strukturen bietet – neben der direkten Beobachtung - das automatisierte akustische Höhenmonitoring. Hierzu werden (am Messmast von FINO 1) akustische Erfassungssysteme in unterschiedlichen Höhen installiert. Die Erfassungsdaten lassen Rückschlüsse auf die Fledermausaktivität in den verschiedenen Höhenstufen zu. Unter Offshore-Bedingungen, wo im Vergleich zur Erfassung an Land vergleichsweise wenige Rufe aufgezeichnet werden, ist in den meisten Fällen auch die Zuordnung von Rufen zu einzelnen Individuen gegeben. Somit ist die Herleitung der Flughöhe und der Nachweis von Erkundungsverhalten einzelner Individuen an den vertikalen Strukturen möglich.